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Der „singende Bambus“ – ein hierzulande noch recht seltenes Instrument.


Fakten:

Der Name „Shakuhachi“ bezeichnet – sehr unromantisch ? – die Länge der Flöte, nämlich im Standard 54 cm. Sie breitete sich im Laufe der Jahrhunderte von China über Japan weiter im asiatischen Raum aus.

Ursprünglich war sie ein Meditations-Instrument der wandernden Zen-Mönche.

Shakuhachi spielende Fuke-Mönche, Köpfe trad. mit Körben bedeckt (Foto: Kirsty Komuso_Flickr_CCBYNCND)
Shakuhachi spielende Fuke-Mönche, Köpfe trad. mit Körben bedeckt (Foto: Kirsty Komuso)

Dabei hatte die Shakuhachi allerdings nicht die Stellung eines Instrumentes, sondern eines „Werkzeugs zur Erleuchtung“. Aufgrund dessen war der Einsatz der Bambusflöte streng limitiert: kein Außenstehender durfte ihren Klang hören und dadurch war der Einsatz bei Konzerten ausgeschlossen.

Der Bambus ist im Buddhismus mit einer mannigfaltigen Symbolik verknüpft. Bspw. verkörpert er in China ein langes, erfülltes Leben, In Japan steht er oft in Bezug auf Leere und Reinheit (wegen der eingeschlossenen Hohlräume im Innern des Bambus) und für die Abwesenheit von Begierde und Angst.

Der Aufbau der Shakuhachi ist schlicht:

Das Bambusrohr ist am oberen Ende eingekerbt und bildet dadurch eine Anblaskante. Die Shakuhachi besitzt 4 Löcher auf der Vorder- und ein Daumenloch auf der Rückseite. Die Standardstimmung ist pentatonisch Moll. Der durch die wenigen möglichen Griffbilder eingeschränkte Tonumfang wird bei einem geübten Spieler deutlich durch Variationen des Atemdrucks und durch zahlreiche Fingerartikulationen im Hinblick auf die Ornamentik erweitert. Dadurch sieht man oft Shakuhachi-Spieler mit charakteristischen Kopfbewegungen, die vor allem der Regulation des Blasdruckes dienen.

Der Ton selbst ist sehr obertonreich, weich, weitend und reich an Schattierungen und Klangfarben.

Wenn aber nun der Eindruck entsteht, dass Shakuhachis ausschließlich für meditative Musik verwendet werden, kann sich hier eines Besseren belehren lassen ?:


Faszinierend:

Atem – Ton – Ruhe

Das Spielen auf der Shakuhachi ist trotz – oder weil? – des einfachen Aufbaus nicht ganz einfach.  Es bezieht den ganzen Körper und den Geist über die Atmung mit ein. Es geht um das „innere Hören“, das Horchen auf den Fluss des eigenen Atems. In einer chinesischen Überlieferung wird davon gesprochen, sich „durch atmen leer“ zu machen.

Die Shakuhachi folgt i.d.R. nicht den strengen Regeln des musikalischen Metrums/Rhythmus. Die Tonabfolge ist frei von reglementierten Strukturen; Takte oder Beats zu zählen ist völlig überflüssig. Shakuhachi-Musik ist kein gleichmäßiges Pulsieren, sondern eher ein immer wiederkehrendes

Sammeln – Anspannen – Weiten – Lösen.

Es ist normalerweise ein freies Spiel im Hier und Jetzt; der gerade präsente Ton ist wichtig, was danach kommt entsteht auch wieder aus dem Augenblick. Die Langsamkeit, die langgezogenen Töne und die Konzentration auf den Augenblick bieten Raum, dem Klang zuzuhören und sich zu vertiefen.


Alltagskreativität?

Meine Shakuhachi ist für mich sinnlich-kreativ.

meine einfache Shakuhachi (alle Bildrechte liegen bei mir)
meine einfache Shakuhachi

Ich bin weder dem Zen-Buddhismus verschrieben, noch habe ich die Gelegenheit (und auch nicht den Wunsch), das klassische Shakuhachi-Spielen zu erlernen.
Ich liebe es, das einfache Bambusrohr in die Hand zu nehmen, mich auf ein Bodenkissen zu setzen und meine Körperhaltung und meinen Atem wahrzunehmen. An manchen Tagen gelingt es mir nicht, Töne, die über ein Rauschen hinausgehen, zu erzeugen; an anderen Tagen entlocke ich dem „tönenden Bambus“ Klänge, die ich tief wahrnehmen kann. Meist gelingt das über 10 – max. 15 min. Danach kann ich noch so lange „üben“ – außer genervtem Rauschen entsteigt nichts dem Bambusrohr…

Allerdings empfinde ich es als Vorteil, Erfahrungen mit Blasinstrumenten (v. a. auch mit der Querflöte) zu haben. Für Menschen, die in diesem Bereich noch keine Erfahrungen sammeln konnten, ist die Shakuhachi sicherlich nicht das richtige Einsteigerinstrument, um über die Atmung ein wenig Sammlung auf sich selbst zu erleben.
Für mich ist das Shakuhachi-spielen eine höchst kreative „schaffende“ Betätigung: Ich schaffe es, abseits von Rhythmik, Melodieführung, musikalischen Regeln, einfach nur Töne oder auch nur Klänge zu erzeugen. Leistungsdenken und Ungeduld werden sofort mit Rauschen „bestraft“; dann hilft nur, die Shakuhachi beiseite zu legen und mich anderen Tätigkeiten zu widmen.

Hier ein ganz laienhaftes Beispiel meiner Shakuhachiklänge: (folgt in Kürze)