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 Nein, man MUSS kein Fan von Irish Folk sein, um die Whistle zu spielen!

(Dort klingt sie natürlich super… Aber in anderen Musikrichtungen auch:)


Fakten:

irische Pfeife – Blechpfeife – Taschenpfeife – Pennypfeife…?

Ihre Namen sind vielfältig (Irish Whistle, Tin Whistle, Pocket Whistle, Penny Whistle, High- oder Low Whistle…) aber der prinzipielle Aufbau der Whistle ist immer gleich: 6 Löcher an der Vorderseite (also kein Daumenloch), aufgrund des Mundstücks zu den Schnabelflöten gehörend. Unter diesen Namen wird sie seit Anfang des 19. Jahrhunderts von den Britischen Inseln ausgehend verwendet. Ursprünglich wurde sie aus einem Stück Blech gerollt, heutzutage finden verschiedene Materialien Verwendung: Kunststoff, Neusilber, Messing, Holz u. v. m. Aber auch die ursprüngliche Form – konische Bauart, gerollt aus Weißblech, Mundstück mit Holzpflock – wird heute noch von der Firma Clarke hergestellt.

Traditionell ist die Irish Whistle diatonisch in D-Dur gestimmt, es gibt sie jedoch – ähnlich wie bei der Ocarina – in vielen verschiedenen Stimmungen. Ihr Klang ist hell und je nach Material rauchig bis klar. Preiswerte Whistle („Penny Whistle“) werden oft in den höheren Lagen schrill. Der Tonumfang liegt im Standard bei zwei Oktaven, wobei die zweite Oktave durch Überblasen erzeugt wird. Die meisten Whistle können durch Klammergriffe oder halb geschlossene Löcher auch chromatisch gespielt werden, dies erfordert allerdings ein wenig Übung. Daher wechselt man i. d. R. je nach Tonart des gewünschten Liedes einfach die Whistle aus. Hier eine kurze Übersicht, welche Whistlestimmung zu welcher Tonart passt:

Stimmung der Whistlemögl. Dur-Tonartenmögl. Moll-Tonarten
CC und Fd und g
DD und Ge und a
EE und Af und h
FF und Hg und c
GG und Ca und d
AA und DBb und Eb
BbBb und Ebh und e
HH und Ec und f

Eine relativ junge Entwicklung ist die Low Whistle, die i. d. R. aus Aluminium oder Kunststoff gefertigt wird. Sie ist wesentlich größer und auch in verschiedenen Stimmungen erhältlich. Da die Fingerlöcher aufgrund der Flötenlänge fabrikatabhängig sehr weit auseinanderliegen, wird die Low Whistle meist im sog. „Piper’s Grip“ gespielt. Hierbei werden die Löcher mit der Mitte des zweiten Fingergliedes abgedeckt, das ermöglicht eine weite Handspreizung, die bei den langen Low Whistles nötig ist.

Besonderheit beim irischen Whistlespiel

Die Töne des irischen Liedes werden selten mit der Zunge angestoßen, sondern meist gebunden gespielt. Um Töne auf gleicher Tonhöhe voneinander abzugrenzen, setzt der geübte Whistlespieler bestimmte Ornamentiken ein. Am bekanntesten sind diese drei (es gibt aber noch mehr):

  • „Strike“: Töne gleicher Höhe werden voneinander getrennt, indem der darunter liegende Ton kurz angespielt wird und man wieder zum Melodieton zurückkehrt:
     (Strike the Pike, gespielt auf meiner Low Whistle in D)
  • „Cut“: Töne gleicher Höhe werden voneinander getrennt, indem einer der darüber liegenden Töne kurz angespielt wird und man wieder zum Melodieton zurückkehrt: 
    (Farewell And Adieu Y Fine Spanish Lady, gespielt auf meiner Low Whistle in F)
  • „Roll“: Eine Kombination von Cut und Strike:
    (Rolling Waves, gespielt auf meiner Whistle in D, eine langsame Version, um die Rolls richtig hören zu können und eine schnelle, die leider etwas hektisch klingt… ☺️)

Diese Verzierungen haben keinen Zeitwert und müssen in den Melodieverlauf eingebettet werden, ohne den Melodiefluss zu unterbrechen. Und das ist – wie man an meinen 3 Beispielen hören kann – die Schwierigkeit…

kleine Linksammlung für Noten (externe Links):

Funkywhistle: kleine Sammlung (ca. 25) von irischen Lieder, jeweils mit kurzem Kommentar und Youtube-Video versehen

The Corrs Club: wie der Name sagt, eine Liedersammlung (ca. 70) von The Corrs; oft mit Gitarren-, Whistle-, Violinen- und Klaviernoten

Flutetunes: knapp 300 „Celtic Songs“ in pdfs, oft mit Midi und/oder mp3

Riffspot: ca. 350 Noten, meist mit Griffbildern und mp3


Faszinierend:

Grundlagen des Whistlespiels sind leicht zu erlernen, aufgrund der Bauweise mit nur 6 Löchern leichter als das Spiel auf der Blockflöte; die Whistle ist daher oftmals hierzulande – ähnlich wie die Ocarina – als „Kinderinstrument“ verschrien. Zu Unrecht, wie ich finde.

Wenn man sich sorgfältig eine Whistle aussucht, die einem im Klang zusagt, dann hat man normalerweise einen schnellen Lernerfolg und kann in kurzer Zeit einfache Melodien spielen. Alltagskreativität! ?Die Professionalität einer Irish Whistle entfaltet sich beim Einsatz der Ornamentik, die aber wirklich nicht vonnöten ist, um gut Hörbares zu produzieren.

Der rauchige, heisere Klang ist außergewöhnlich und charaktervoll. Die verschiedenen Whistles unterscheiden sich klanglich alle voneinander – einige betonen das „Rauchige“, andere hingegen eher den klaren Ton. Da müsste für jeden Geschmack etwas zu finden sein.  Gute Einsteigerwhistles sind durchaus erschwinglich. Falls man mit anderen zusammen spielen möchte, sollte man darauf achten, dass die Whistle stimmbar ist (Mundstück in den Korpus hinein- oder hinausschiebbar).

Die Irish Whistle ist keinesfalls nur in der traditionellen irischen Volksmusik einsetzbar. Sie findet Verwendung in der Mittelaltermusik, Kwela, Deutschfolk, Liedermacher und auch in vielen anderen Musikrichtungen bis hin zum Jazz (Steve Buckley).

Der Einsatz der Whistle in der „Kwela“ ist ein ganz besonderes Kapitel. „Kwela“ ist ein Musikstil, der Mitte des 20. Jahrhunderts in Südafrika entstand. Da die Whistle sehr günstig zu erstehen ist, führte das zu einer Verbreitung der Whistles in den verarmten Townships; der Musikstil „Kwela“ wurde quasi um die Whistle herum entwickelt.

 


Alltagskreativität?

Je nach Charakter des Stückes, das ich spielen möchte, suche ich mir eine meiner Flöten (Blockflöte, Ocarina, Shakuhachi oder Whistle) aus und meine 3 Whistle ergänzen meine Flötensammlung wunderbar.

Das Fotografieren meiner Flöten brachte keine zufriedenstellenden Ergebnisse, daher hier die Fotos des „TinWhistleZentrums (TWZ)“, von dort habe ich meine Flöten bezogen (Fotos sind verlinkt, eine neue externe Seite öffnet sich):

meine "Al Jo" - TinWhistle in D
meine „Al Jo“ – TinWhistle in D
meine Dixon Low D (ohne das zusätzliche Mundstück)
meine Dixon Low D (ohne das zusätzliche Mundstück)
meine Dixon Low F
meine Dixon Low F

Bei dem Stückchen „Donnybrook Fair“ kamen alle drei Whistle (in D, Low D und Low F) zum Einsatz:

Sehr lustig fand ich, dass in meiner Lieblingsserie Star Trek (The Next Generation) Captain Jean-Luc Picard in den zwei Folgen „The inner light“ und „Lessons“ auf einer sog. „Ressikan-Flute“ spielt – die nichts anderes als eine eingefärbte Tin Whistle ist… ?

 

 

Mir persönlich gefällt an der Whistle, dass ich mit ihr sehr lebhafte und fröhliche Stücke spielen kann, aber genauso gut auch getragene, sehnsuchtsvolle Melodien. Sie ist nicht schwer zu erlernen und in der Anschaffung durchaus bezahlbar.

In meinen Augen ist auch die Irish Whistle ein wunderbares Objekt, gut geeignet auch für musikalische Laien wie mich, die im Musizieren ohne Leistungsdruck ein wenig entspannen wollen.